Angst vor Eurasien: US-Botschafter will Deutschlands Zusammenarbeit mit Chinas Digital-Konzern unterbinden

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Der US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, fordert, Deutschland solle Chinas Digitalkonzern Huawei nicht mit der Erstellung der neuen 5G-Netzwerke beauftragen. Sonst werde die Zusammenarbeit der Geheimdienste zwischen Amerika und Deutschland eingeschränkt. Lesen Sie, warum sich die USA vor Huawei und einem eurasischen Wirtschaftsbündnis fürchten: hier und in COMPACT 2/2109

Im vergangen Mai jammerte Grenell über Deutschlands geringe Verteidigungsausgaben, dann polterte er über die Beteiligung am Nord-Stream-2-Pipeline-Projekt mit Russland. Jetzt droht er in einem Brief an Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU): Falls Deutschland der Firma Huawei oder einem anderen chinesischen Konzernen genehmige, in Deutschland die neuen 5G-Netzwerke zu errichten, werde man die Zusammenarbeit der Geheimdienste zwischen Deutschland und den USA einschränken. Diese Einmischung ging selbst der Regierung in Berlin zu weit.

Michael Grosse-Brömer, Geschäftsführer der CDU-Bundestagsfraktion, schoss zurück: „Diese Bundesregierung braucht keine Aufforderung oder Hinweise des amerikanischen Botschafters, um sicherheitspolitisch sinnvolle Schritte einzuleiten.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwiderte, die Sicherheit sei beim 5G-Ausbau von zentraler Bedeutung. Die dazu errichteten Standards werde sie den Partnern „selbstverständlich“ mitteilen.

Grenells Vorstoß hat zweierlei Gründe: Seit Monaten ersucht Washington seine Verbündeten, keine chinesischen Firmen mit der Modernisierung von Kommunikationsnetzwerken zu beauftragen. Auch Huawei sei – laut USA – kein „vertrauenswürdiger Anbieter“. Kanada, Japan und Neuseeland sind bereits eingeknickt. Hinter dieser Anschuldigung steckt ein knallharter Handelskrieg zwischen China und den USA. Sven Reuth schrieb dazu in COMPACT 2/2019

Huawei ist nichts weniger als das Kronjuwel der chinesischen Wirtschaft – und wohl jetzt schon das stärkste Symbol für den wirtschaftlichen Aufstieg des roten Drachen aus den Ruinen der US-Hegemonie. Den einstigen Weltmarktführer Apple aus dem kalifornischen Cupertino haben die Chinesen mittlerweile überholt. Während der US-Technologiegigant schon in den ersten Tagen des neuen Jahres mit einer drastischen Gewinnwarnung (Prognose reduzierten Gewinns) den letzten Weihnachtsschmuck bei den schockierten Anlegern vom Tisch fegte, konnte Huawei seinen Umsatz 2018 um 20 Prozent steigern und wird im laufenden Jahr wohl erstmals die magische 200-Millionen-Marke bei der Zahl der verkauften Geräte knacken.

Ren Zhengfei gründete Huawei, was übersetzt so viel bedeutet wie «China unternimmt etwas», im Jahr 1987 mit einem Startkapital von umgerechnet gerade einmal 3.000 US-Dollar. Der frühere Ingenieur der Volksbefreiungsarmee nutzte die Liberalisierung der Kommandowirtschaft, die der Reformer Deng Xiaoping im Dezember 1978 verkündet hatte, um in der direkt an Hongkong angrenzenden chinesischen Sonderwirtschaftszone Shenzhen mit dem Verkauf von Schalteinrichtungen für Telefone zu beginnen.

Über Jahre hinweg mauserte er sich im wenig spektakulär erscheinenden Brot- und Butter-Geschäft des Handels mit Netzwerkkomponenten und Schalteinrichtungen zu einer Branchengröße, recht früh kam auch schon die Produktion von Handys als Auftragsarbeit für ausländische Hersteller hinzu. Huawei konkurrierte dabei von Anfang an – anders als viele andere chinesische Firmen – nicht über den Preis, sondern über seinen ausgezeichneten Service und die Qualität seiner Produkte. Das Unternehmen achtete peinlich genau darauf, keine Eigentumsrechte zu verletzen, und bezahlte teilweise Lizenzgebühren von 200 Millionen Dollar im Jahr.

Dieses Konzept schien sich auszuzahlen, denn, so schrieb Reuth: „Rund ein Drittel der Weltbevölkerung nutzt mittlerweile Huawei-Produkte, um miteinander zu kommunizieren.“ Schon vor zwei Jahren versuchten die USA, den Erfolg von Huawei mit Rufmord auszubremsen:

Schon im Jahr 2012 warnte der US-Kongress die Unternehmen des Landes davor, Huawei-Technologie zu kaufen. Mittlerweile hat die US-Administration allen staatlichen Behörden und den mit ihnen zusammenarbeitenden Subunternehmen die Verwendung von Geräten und Komponenten des Konzerns gänzlich untersagt. Die offizielle Begründung für diese Maßnahmen sind Spionagevorwürfe, die bislang allerdings noch nie belegt werden konnten.

Kein Volk. Kein Recht. Kein Diesel: COMPACT 3/2019

Der zweite Grund für Grenells Brief: vor wenigen Tagen erst forderte der US-Botschafter in Rom, Italien solle sich nicht an Chinas Projekt der Neuen Seidenstraße beteiligen. Man drohte Italien mit Aufkündigung der transatlantischen Freundschaft. Mehr noch: Garrett Marquis, beim US-Präsidenten für Belange der Nationalen Sicherheit zuständig, orakelte: Italien gefährde mit dem China-Pakt seine „globale Reputation“. – Die niedergehende USA fürchtet ein wirtschaftlich starkes Eurasien. Lesen Sie alles über die Hintergründe des Wirtschaftskrieges zwischen USA und China sowie die Bedeutung  des Huawei-Konzerns in COMPACT 02/2019. Als Abonnent finden Sie den Artikel „Der Raub der Huawei-Prinzessin: US-Schlag gegen Chinas Technologie-Riesen“ (und alle anderen Beiträge der Ausgabe) ebenfalls vollständig unter Digital+.

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15 Kommentare

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    "Verbündete", die vom Bündnispartner vorgeschrieben bekommen, mit wem sie Handel treiben dürfen, und sich das gefallen lassen, sind keine Verbündeten, sondern Heloten! Und die Zusammenarbeit mit US-Geheimdiensten, entweder, damit die uns einen vom Pferd erzählen oder uns veranlassen (erfundene) Tatsachen zu liefern, die sie brauchen, um andere Völker anzugreifen, brauchen wir auch nicht wirklich!
    Solchen "Freunden" sollte man schnellstens die Freundschaft kündigen! Den Hegemon USA hat man am schnellsten von der Backe, wenn das möglichst viele tun!
    Seien wir mutig und gehen wir mit gutem Beispiel voran! Zumal sich die Chinesen mit Qualität an die Weltspitze setzen und nur die Position wieder einnehmen, die sie am Ende des MA in der Welt schon einmal hatten. Nur die angloamerikanische Kolonialpolitik der letzten 500 Jahre und speziell die Politik gegen China im 19.Jh. warfen das Reich der Mitte so weit zurück.

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    Andreas Walter am

    Der Typ gehört ausgewiesen.

    Zudem ist das 5G Netz Schwachsinn, hat wegen der noch höheren Frequenzen eine noch geringere Reichweite als selbst das 5 GHz Netz beim WLAN. Was wiederum nur durch eine Erhöhung der Sendeleistung kompensiert werden kann. Schon 2,4 GHz liegt aber im Mikrowellenbereich.

    In meinen Augen dient es darum einzig und allein der totalen Kontrolle, die dadurch möglich wird, auch im öffentlichen Raum.

    Gebt mal bei Google ein: "Palm Beach exempt from 5G wireless law". Den Rest könnt ihr euch dann denken.

    Leider sind aber auch die ganzen geschwätzigen und neugierigen Weiber und die Computer-Nerds ganz heiss auf Kommunikation überall, die Verkaufs- und Werbeindustrie (Marktforschung) sowieso.

    Fehlt dann nur noch das elektronische Geld, und dann muss jeder für fast alles immer ein Gerät bei sich tragen.

    Bis auf Selbstmordattentäter und Attentäter. Die brauchen dann nur ein Messer ohne RFID Chip. Oder einen Beutel aus feinem Metalldraht, der nämlich die Strahlung blockt.

    Am Ende steht dann aber so oder so die totale Abhängigkeit von Big Brother, ohne den dann gar nichts mehr geht. Schöne Neue Welt.

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    Contrapaganda am

    Selig seien die, die ernsthaft glauben, die Zeiten der Hochkomissare seien vorbei…

    Ceterum censeo Americam esse delendam

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    Ein sehr guter Artikel. Deutschland sollte mit folgenden Initiativen darauf antworten:

    1. Der Einsatz von Netzwerktechnologie von Nokia, Ericsson und Huawei. US Antbieter dürfen sich mit 2-4 % beteiligen.
    2. Ausbau und massive Investitionen in eine europäische Suchmaschine, wie z.B. Quant.
    3. Die Entwicklung eines eigenen Betriebssystems für mobile Endgeräte auf Basis des Quelloffenen Meego Nachfolger Sailfish OS der Firma Jolla.
    4. Aufhebung der Russlandsanktionen.
    5. Definitiver Bau von Nordstream 2.

    Wenn die Botschaft bei unseren US Freunden dann noch nicht ankommt, kann man gerne mit der Einschränkung der Zusammenarbeit der Geheimdienste drohen. Das wäre für das ehemalige Deutschland doch ein Pluspunkt.

    Grüsse,

    HvH

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    brokendriver am

    US-Botschafter in Deutschland können Sprechblasen oder Kaugummiblasen absetzen…mehr nicht….

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    Jürg Rückert am

    Die KP Chinas hat sich zwar wirtschaftlich gewandelt, aber der rote Terror gegen das eigene Volk wurde nur an eine kürzere Leine gebunden. Ein Wandel ist hier nicht absehbar. Besser eine Kuh im amerikanischen Stall als ein Mastschwein für China.
    Diese KP ist zudem befähigt, das Volk in einen nationalistischen Taumel zu stürzen, der bis Seattle reichen könnte …

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    Duis Libero am

    Zum Mitsingen:

    "Wenn getanzt wird will ich führen.
    Auch wenn ihr euch alleine dreht.
    Lasst euch ein wenig kontrollieren.
    Ich zeige euch wie’s richtig geht.

    Wir bilden einen lieben Reigen.
    Die Freiheit spielt auf allen Geigen.
    Musik kommt aus dem Weißen Haus,
    Und vor Paris steht Mickey Mouse.

    We’re all living in Amerika."

    Quelle: Rammstein

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    Rumpelstielz am

    Merke nur die Dummmasse wird überwacht. Den einzelnen Terroristen überwacht man nicht – geht auch nicht – er arbeitet konspirativ.
    Aber die Masse, die wird beobachtet – ob es brodelt im Topf damit man gegenlenken kann.

    Mit Aufklärung (Fake News) Mit Propaganda. Mit Lügen. Mit Diffamierung. Mit Meinungsparagraphen.

    Eben auf die Dummmasse hat man es abgesehen. Man will Strömungen die sich bilden rechtzeitig erkennen und verhindern.

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    Was für eine unglaubliche Drohung: Keine transatlantische Zusammenarbeit bei den Geheimdiensten mehr. Na, endlich! Genau darauf würde ich eingehen. Der Witz ist nur, das Merkel traut sich das nur, weil Trump im Weißen Haus sitzt. Aber ich wäre vorsichtig, aus der Drohung werden schnell Sanktionen oder schlimmeres….
    Indien wollte doch venezolanisches Öl kaufen. Dann wird es von einer Terrorgruppe von pakistanischem Territorium aus angegriffen….. Bei den Kampfhandlungen wird auch die chinesische Baustelle an der Neuen Seidenstraße gefährdet.
    Ceterum censeo Americam esse delendam.

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      Ja Fett, Eine Autobombe metzelt eine halbe indische Kompanie hin und schon rutscht den Indern das Herz derart in die Hose,daß sie kein Öl aus Venezuela mehr kaufen,haha. Wenn America mit Mann und Maus im Ocean versinken würde, würde flugs ein Anderer nach der Weltherrschaft streben und das wäre nicht mehr Deutschland,aus diesem Rennen ist es auf jeden Fall raus.

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    Schmidt bin ich am

    "Diese Bundesregierung braucht keine Aufforderung oder Hinweise des amerikanischen Botschafters, um sicherheitspolitisch sinnvolle Schritte einzuleiten.“

    Trumps persönlicher Adlatus bekommt mal den A….. versohlt. Wird auch Zeit. Auch wenn Huawei mit Vorsicht zu genießen ist. US Technik aber genauso.

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      Ach Schmidtchen, es ist doch völlig Wurscht wer diese Gesinnungsdiktatur BRiD bevormundet

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        Nicht ganz,ein gewisser Zentralrat beansprucht da ein Monopol. Hat neulich den Bundespräsidenten ausgeschimpft,weil der kleine Steinmeier offiziell dem Iran zum Revolutionsjubiläum gratuliert hat . Und der hat sich erschrocken-devot gerechtfertigt.

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    DerSchnitter_Maxx am

    Der hat hier gar nichts zu unterbinden … geschweige zu melden oder irgendetwas zu wollen – PUNKT !

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