Allianz von Farage und Salvini für den Brexit: Zieht Mastermind Steve Bannon die Strippen?

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Das Unterhaus hat in der vergangenen Woche sowohl den nachverhandelten Deal von Theresa May als auch einen No-Deal-Austritt Großbritanniens mehrheitlich abgelehnt. London hat etwas Zeit gewonnen, doch für eine Fristverlängerung über den 29. März hinaus bedarf es einer einstimmigen Entscheidung der 27 restlichen Staaten EU-Mitgliedsstaaten im Europäischen Rat. Italien könnte dem einen Strich durch die Rechnung machen.

Der scheidende, weil nicht wieder aufgestellte CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok will etwas herausgefunden haben. Das Straßburger Urgestein verriet dem Deutschlandfunk gestern, dass es möglicherweise eine heimliche Allianz zwischen seinem Parlamentskollegen Nigel Frage – früher Chef der britischen Unabhängigkeitkeitspartei UKIP und nun prominentester Kopf der neuen Brexit Party – und Italiens Vizepremier und Innenminister Matteo Salvini von der Lega gebe.

Das Ziel der beiden Rechten: Ein Aufschub des Brexits soll im Europäischen Rat von Italien torpediert und so ein zügiger Austritt Großbritanniens ohne Abkommen mit der EU erzwungen werden. Farage habe gesagt, so Brok, dass es bereits Absprachen zwischen ihm und Salvini gebe, einer Fristverlängerung nicht zuzustimmen. „Und dann ist das Spiel beendet“, so der Unionspolitiker. Die Bild-Zeitung griff Broks Plauderei sofort auf und schrieb alarmistisch von einem „Geheimplan“, der die Brexit-Verschiebung „bedroht“.

Tatsächlich wäre eine Blockadehaltung Roms eine Option, die Brexit-Hardlinern wie Farage, Ex-Außenminister Boris Johnson oder dem ultrakonservativen Tory-Abgeordneten Jacob Rees-Mogg sehr gelegen käme. Sie wollen unter allen Umständen raus aus der EU – und sei es per „hartem“ Brexit, also ohne „Deal“, der jedoch keinesfalls „ungeregelt“ wäre, wie die etablierten Medien gebetsmühlenartig wiederholen, da er nach den Regeln der Welthandelsorganisation WTO vollzogen würde.

Die möglichen Absprachen zwischen Farage und Salvini nützen jedoch nichts, wenn der Koalitionspartner der Lega in Rom, die Fünf-Sterne-Bewegung (M5S), sowie Ministerpräsident Giuseppe Conte nicht mitspielen. Der Ball liegt nun bei ihnen.

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Beobachter sehen im Hintergrund eine weitere wichtige Figur als möglichen Strippenzieher der Brexit-Hilfsaktion: Den ehemaligen Trump-Chefstrategen Steve Bannon, der mit seiner Stiftung The Movement in Brüssel ansässig ist und versprochen hatte, den Rechten mit Blick auf die kommende EU-Wahl unter die Arme zu greifen, um eine „populistische Revolution“ auch in Europa zu ermöglichen. Bannon steht in gutem Kontakt sowohl mit Farage als auch Salvini. Der britisch-italienische Brexit-Torpedo gegen die EU könnte die erste Machtdemonstration der neuen patriotischen Allianz unter der Ägide des US-Masterminds sein.

Über den Autor

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Daniell Pföhringer, Jahrgang 1973, stammt aus Bayern, wuchs in Hamburg auf und studierte dort Politikwissenschaft, Soziologie und Kulturwissenschaften. Seit einigen Jahren lebt er als Unternehmer und freier Publizist in Dresden. Seit Juni 2017 arbeitet er für COMPACT.

6 Kommentare

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    Duis Libero am

    Die heimliche BREXIT-Gegenerin Theresa May hat natürlich in geheimer Abstimmung mit den EU-Eliten den ganzen Prozess bewußt dahin gesteuert, wo er jetzt ist. Es wäre ein sehr mutiger Schritt von Italien (oder welchem EU-Mitgliedsstaat auch immer), jetzt der Verlängerung nicht zuzustimmen. Denn jedwedes wirtschaftliche und politische Schaukeln nach einem harten BREXIT würde dann – auch seitens des britischen Parlaments – eben jenem Land als Schuld unter die Schuhe geschoben. – Riesig freuen würde es mich gleichwohl. Andererseits würde es mich dann auch nicht mehr überraschen, wenn in einem solchen Fall der Nicht-Verlängerung das Vereinigte Königreich seinen Antrag nach Art. 50 einfach zurückzieht. Als "Notbremse". Schuld an allem wäre dann die italienische Regierung, die faktisch den an sich doch "geplanten und ordentlichen" BREXIT verhindert hätte. Auch ein witziges Szenario.

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    Die Globalisten werden den Autritt der Briten hintertreiben,was denn sonst?

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    Ich sehe auch noch nicht, weshalb Orbán einer "Brexit-Verlängerung" zustimmen sollte. Beim Eintritt Ungarns in die EU -zu Beginn des Jahrtausends- sagte ein alter Ungar zu mir in Budapest: "Alle Bündnisse gehen zugrunde, wenn die Ungarn eintreten". Damals habe ich den Alten nicht verstanden. Heute verstehe ich, was er meinte: Auch die UdSSR hat sich an Ungarn die Zähne ausgebissen. Jetzt könnte der Moment für Orbán da sein, wieder Geschichte zu schreiben. Ich empfehle dem Interessierten die Lektüre "Die Puszta". Dort steht, warum der Ungar für den totalitäten Staat nicht taugt. Außerdem wählen 20% der Ungarn weit rechts von Orbán: die Jobbik-Partei.

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    Wenn ich mich recht erinnere, gab es in Großbritannien 2016 ein Referendum welches mit knapper Mehrheit dafür war, aus dem elenden EU Moloch, welches dem einfachen Bürger absolut nichts bringt, auszutreten, eine hervorragende Entscheidung !
    Diese Entscheidung wird durch das erbärmliche Affentheater im britischen Unterhaus immer wieder torpediert, da man den Willen der Bürger einfach nicht akzeptieren will !
    Wenn man aber sieht, was sich für Gestalten in diesem sogenannten EU Parlament bewegen (CSU Weber, CDU Öttinger … brüll), von denen KEINER jemals durch die europäischen Bürger gewählt wurden, fette Gehälter kassieren und die große Schnauze haben, dann weiß man was das für eine , für michjedenfalls "mafiose Organisation" ist. Mich wundert es nur, daß den Briten nicht schon längst andere Ländergefolgt sind.

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      @ DERSCHNITTER-MAXXX

      … und Deutschland die grenzenlos geschlossenen Abteilung.

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