Alle Macht der Köchin! – Demokratie braucht Eliten, die das Volk nicht fürchten

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Die Demokratie steckt in einer Krise! – so jammert die Propagandapresse in Anbetracht des erstarkenden Widerstands. Allerdings brauchen wir mehr Demokratie, aber dazu bedarf es Eliten, die sich nicht vor dem Volk fürchten, sondern es mitentscheiden lassen. Es folgt das Editorial „Alle Macht der Köchin!“ aus der aktuellen COMPACT 9/2018. Am guten Kiosk erhältlich! Oder hier bestellen.

Alle Macht der Köchin!

_ von Jürgen Elsässer

Die bundesdeutschen Eliten misstrauen dem Volk. «Vox populi, vox Rindvieh», sagte sogar der große Franz Josef Strauß. Der beherrschte zwar die Sprache der Kleinen Leute und konnte über Stunden hinweg – die Daumen hinter den Hosenträgern gespannt und vor sich eine, zwei, drei Mass – das Bierzelt zum Kochen bringen. Doch er brauchte seine Wähler nur als Kulisse, wie er tatsächlich selbst bekannte: «Ich bin Deutschnationaler und fordere bedingungslosen Gehorsam.»

Die Kommunisten kamen an die Macht, indem sie den Massen eine andere, eine wahrhaftigere Form der Mitbestimmung versprachen: die sogenannte Rätedemokratie. In der Urform dieses Modells sollten nicht Parteien die Kandidaten aufstellen, sondern Versammlungen in Betrieben und Kasernen. Anders als im abgehobenen Parlamentarismus, bei dem man nur alle vier Jahre ein Kreuzchen machen darf, sollte eine schlankere, schnellere Form des Staates entstehen: Die Wähler können ihren Abgeordneten jederzeit abberufen, wenn dieser nicht mehr ihre Interessen vertritt.

Die Idee hatte ihren Charme – aber scheiterte grausam. Sehr schnell trat an die Stelle der Arbeiter- und Bauernbasis wieder die Partei – und zwar eine einzige, ohne Konkurrenz und Korrektiv. Volksdemokratie oder Volksrepublik waren ein Schwindeletikett – nicht für die Diktatur des Proletariats, sondern für die Diktatur des Politbüros oder eines einsamen Generalsekretärs.

Einen dritten Weg zwischen dem parlamentarischen Absolutismus und dem kommunistisch instrumentalisierten Rätegedanken weist das Schweizer Modell. Dort wird zwar regelmäßig ein Parlament gewählt, aber das Parteiengezänk hält sich in Grenzen, weil die Regierung im Grunde immer die gleiche bleibt: Nach der sogenannten Zauberformel entsenden alle relevanten Kräfte – von den Sozis über die Liberalen bis zur AfD-ähnlichen SVP – immer dieselbe Zahl Minister in eine Art ganz Große Koalition.

Die entscheidenden Weichenstellungen in diesem System werden nicht parlamentarisch, sondern plebiszitär vorgenommen: Über Volksentscheide konnten die Bürger immer wieder die Pläne der Politiker stoppen, etwa die Unterordnung des Landes unter die EU, die grenzenlose Zuwanderung und den Bau von Minaretten.

Aus deutscher Sicht wirkt die Eidgenossenschaft wie ein Schlaraffenland – dabei hätten auch wir die Möglichkeit, unseren Nachbarn nachzueifern. Im Grundgesetz finden sich nämlich seit 1949 in Artikel 20 die Sätze: «Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird in Wahlen und Abstimmungen ausgeübt.» Doch das Versprechen blieb auf dem Papier, da die Parteien zwar ein Wahlgesetz beschlossen – aber nie ein Abstimmungsgesetz.

Seit 50 Jahren klafft diese konstitutionelle Leerstelle in unserer Demokratie – und je mehr sich die Eliten vor dem «Pack» fürchten, umso geringer wird ihre Bereitschaft, an diesem Zustand etwas zu ändern. Ihre Argumente: Die Welt ist so hochkomplex geworden, dass die einfachen Leute sie nicht begreifen. Umgekehrt wird ein Schuh draus: So sehr der Bildungsstand unseres Volkes gedrückt worden ist – so blöd wie die meisten Parlamentarier sind die Bürger noch lange nicht.

Echte Demokratie bedeute, dass auch eine Köchin den Staat führen könne, hat Lenin einmal postuliert. Im Unterschied zu ihm sollten wir heute den Köchinnen, den Friseusen, den Handwerkern und Kfz-Mechanikern tatsächlich vertrauen. Sie alle wissen, dass die wichtigsten aktuellen Probleme – wie man die Grenzen sichert, stabiles Geld schafft, gute Autos baut, Familien fördert – in der alten Bundesrepublik ganz gut gelöst waren.

Die Erinnerung an diese Goldenen Zeiten sind das Fundament des konservativen Trends, der gottlob immer stärker wird. Das Volk an die Macht!

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18 Kommentare

  1. Avatar

    Das ist kein revolutionäres Konzept zur Heilung,sondern Kurpfischerrei, eine Linie,die sich mit der Europäischen Krankheit so etwa arrangieren will. Wohl deshalb,weil die Krankheit gar nicht als solche wahrgenommen wird. Die Invasion aus Africa und dem Orient ist nicht unser einziges Problem.

  2. Avatar

    Direkte Demokratie ist um so eher möglich, je kleiner die Gemeinde ist. Größere Überbauten sind nötig, damit sich die Kleinen nicht gegenseitig austricksen. Dazu müssen die Zuständigkeiten zwischen groß und klein geklärt werden – ist eigendlich recht einfach: Über den Bau oder Ausbau eines Schwimmbades stimmen die Bewohner der Gemeinde ab, über Migration oder NATO-Verbleib das gesamte Staatsvolk und über die Beibehaltung der ganzjährigen Sommerzeit die gesamte EU. (Sonst hat man wieder die Probleme von 1870, z.B. bei der Eisenbahn)
    Da wir aber Heloten der USA sind, ist es uns verboten über den NATO-Verbleib eine Volksabstimmung durchzuführen, damit auch die über die Migration. Auch die Abstimmung auf Kreis- und Beziksebene wird tunlichst unterlassen, bzw. stark erschwert, da sie sie lokale Korruption stark behindern würde.

    • Avatar

      @LIVIA

      Ob Sommer- oder Winterzeit ist doch vollkommen Wurscht, obwohl eine
      permanente Sommerzeit zur globalen Erwärmung besser passen würde.
      Allerdings geht die Sonne im Osten immer früher auf, als sie im Westen
      untergeht, egal wie der Zeiger auf der Bahnhofsuhr zufällig steht.
      Die Deutsche Bahn beispielshalber arbeitet quasi schon meistens zeitlos.
      Wo ist da das Problem für Deutschland?

      Allerdings wäre die Nichtmehr-Zeit-Umstellung die einzige Europäische
      Lösung, die wirklich sinnvoll wäre.
      Mit der Nato hat das aber gar nichts zu tun und ob es die lokale Korruption und
      den weiteren Aufstieg der AfD behindern würde, kann man bezweifeln.
      Wir wollen hoffen, dass der böse Russe die Europäische Einigung nicht sabotiert.

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    Das ist schon richtig was Sie schreiben Herr Elsaesser. Warum sollte eine Koechin nicht die BRD regieren koennen, schliesslich wird sie ja von einer Physikerin regiert, welche in ihrem Unterstuetzerkreis etliche Leute ohne Berufsabschluss oder lediglich mit Abi hat. Fuer Koechinen ist Physik ein Nebenfach. Zwar nicht Dr.-faehig aber immerhin. Ich erwarte von einer Koechin viel, schliesslich muss man in dem Beruf viel lernen. Ich kenne eine Kneipenwirtin und Koechin die Geschichtswissenschaftlerin war, bis sie die Schnauze vom (Schul)-System voll hatte. Adenauer regierte mit einem Satz: “Wenn ich das den Amerikanern sage..” Und “Goldkettchen-Gerd” brauchte ja bekanntlich nur Bild, Bild am Sonntag und die Tagesschau. Fischer hat regiert und war hauptberuflich..Nix. Doch wenn man so will Pflasterarbeiter. Das Problem beim Volk ist, dass alles kaputtgeschwaetzt wird. Und das Deutsche keine Helden mehr haben duerfen ist uns klar. Deshalb “Mannschaft”. Das Schweizer Modell fuer eine Demokratie finde ich gut, da es das einzige Modell ist, welches nahe an Demokratie herankommt. Alle anderen Demokratien sind Diktaturen mit Selbstverwirklichungseffekt fuer Luftschnapper. Nicht nur in D, sondern weltweit.

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    Ich würde das Konstrukt der alten Bundesländer nicht als Unisolo für alles gute heranziehen. siehe " ganz gut gelöst waren? "
    Man sollte nicht vergessen, das z.B. die RAF 1970-1989 auch seine Problemchen, ergo unterschiedliche Sichtweisen, hatte?

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    Welchen Kompetenzvorsprung haben eigentlich unsere lieben, teuren Parlamentarier? Nicht selten ist es nur die große Klappe. Und das Detailwissen, wie der Buntentagsladen läuft.

    Natürlich müssen auch Lieschen Müller, H. W. und all die anderen ständig an sich arbeiten und auf de Laufenden bleiben, um tatsächlich sachkundig mitentscheiden zu können.

    War gestern mit einem Bekannten in Berlin unterwegs, Als wir am Tempelhofer Feld entlang fuhren, erwähnte er die Begehrlichkeiten zur Bebauung desselbigen. "Die Rechnung ist ziemlich einfach, " – sagte ich – "für jede Wohneinheit hast du ein weiteres Auto auf der Straße."

    Das raffen manche nicht, wie auch der dortige Regiermeister, der ebenfalls diesem Verdichtungswahn verfallen ist. Der gesunde Menschenverstand schützt zwar nicht vor allen Eseleien, aber doch vor vielen.

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    Fischer's Fritz am

    "Alle Macht der Köchin!" ?

    Bedenke aber: Auch Köchinnen können die Suppe versalzen. Vor allem, wenn sie verliebt sind (sagt zumindest der Volksmund).
    Vielleicht die Macht zusätzlich noch auf ein paar Milchmädchen verteilen? 🙂

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    Sonnenfahrer Mike am

    Volksentscheide auf allen politischen Ebenen (Bund, Länder und Gemeinden) als Ergänzung
    und Korrektiv zur repräsentativen Demokratie, wie in der Schweiz, zu allen grundlegenden
    Sachfragen und Richtungsentscheidungen in einer Art reformierten EU bzw. in einem Europa
    der Europäer / der europäischen Vaterländer, die sich gegenseitig helfen, unterstützen und
    schützen vor und gegenüber Dritten ist auch mein ganz, ganz großer Traum und
    sehntlichster Wunsch. Und ich hoffe daher inständig, daß die Parteien, welche uns die Einführung
    dieser Volksentscheide auch in Österreich und in der Bundesrepublik Deutschland versprechen,
    die FPÖ und AfD diese dann auch wirklich einführen, sobald sie die entsprechende Macht haben
    und nicht mehr von irgendwelchen Koalitionspartnern, wie z.B. der ÖVP zurückgehalten werden
    können. Aber das setzt erst einmal wiederum voraus, daß wir, die Deutschen, in Österreich und
    in der BRD endlich komplett und geschlossen aufwachen und nicht nur einige von uns,
    wie bisher.

  8. Avatar

    "Die Angst-Elite"

    Habe vor etwa einem Jahr an dieser Stelle kundgetan, dass ich gerne ein Buch mit dem Thema "Die Angst-Elite" schreiben würde, leider habe ich nie die Zeit dafür gefunden.

    Wäre aber ein interessantes politikwissenschaftliches Forschungsprojekt und möglicherweise sogar als Promotionsthema geeignet, wenn Fragestellungen und Methode stimmen und es empirisch ausreichend untermauert wird.

    Vielleicht macht sich jemand die Mühe.

    • Avatar
      heidi heidegger am

      ich mach’s!!! (zit. Flocky), also ich mache die kärrner-arbeit, wenn ich im vor-vorwort der promotionsschrift bedankt werde, hihi. zur methode: alle JE-editorials und FAZ-leitartikel ausschneiden und collagieren irgendwie. empirie ist erbsenzählerei und voll veraltet als maurerwerk, hähä.

      zacknweg

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    Ein Abst-i-mmungsgesetz
    wird angesichts der BRD-Rassenpolitik
    (Fremdbesiedlung, Bevölkerungsaustausch, Bastardisierung)
    den drohenden VOLKSmord nicht verhindern ohne
    ein neues Abst-a-mmungsgesetz (Ius Sanguinis).

    Dazu ein guter Artikel von Caroline Sommerfeld auf Sezession
    (mit den üblichen Laberwaberkommentaren).
    Deutsch ist
    1) wer Deutscher Abstammung ist
    2) wer Deutsch aussieht
    3) wer sich zum Deutschtum bekennt (Geschichte, Kultur, Religion).

    Nur zusammen ergeben diese drei Voraussetzungen den Deutschen.
    Überleben wird er in naher Zukunft nur in Familien und kleine Gemeinden.
    Alles, was darüber hinausgeht, wird von den BRD-Buntrassisten
    mit der Rassismus-Keule und mit Zwangsöffnung bekämpft.
    Die Bekämpfung der Völker ist das oberste Ziel von EU-BRD-Babylon.

    Abstimmungen werden später in Deutschen Ghettos
    – irgendwann wieder in Stammesgebieten wie Thüringen, Sachsen, Preußen,
    – Judäa ähnlich –
    ihren politischen Zweck zum Wohle des Volkes erfüllen.

    Deutschland stirbt nicht.

  10. Avatar
    heidi heidegger am

    FJS sprach vor allem latein, hehe. und: räterepubliken gab’s eigentlich ne ganze menge: Ungarn (1919) und München und die Slowakische räterepublik, aber die reaktion war halt mächtiger, achach.

  11. Avatar

    Man könnte den Satz auch umstellen: "Das Volk braucht Eliten, die die wahre Demokratie (und
    den gesunden Menschenverstand) nicht fürchten."

    In einem Staat, der von einer Köchin geführt wird, möchte ich allerdings nicht leben.
    Der letzte "Führer" war Dachdecker und trotzdem regnete es rein. Da waren selbst die Eliten machtlos.
    Diese Erfahrung reicht für den Rest meines Lebens. – Hatte sich Lenin wohl gründlich geirrt.

    Übrigens: Die gegenwärtige Weiberwirtschaft in Politik und Gesellschaft ist der Anfang vom Ende der Zivilisation. Diese penisneidischen Frauen und Frau*Innen werden die Welt gewiss nicht retten. –
    Das wird man doch noch sagen dürfen.

    • Avatar
      heidi heidegger am

      was das volk braucht, ist täglich sein "huhn im topf" (zit. Bonaparte) und einen @Andor der noch mehr verantwortung uebernimmt undoder für den frieden tut – *gacker*. denn, merke: "wanns anfängt durchs dach zuregnen, ist jeder seines glückes schmied!!!" (zit. M. Kippenberger)

      • Avatar

        @ H.H.

        Der elitäre Maestro Kippenberger wäre (mutmaßlich) auf
        unsere allerwerteste Erika so stolz, dass er ihr ein Denkmal
        schmieden würde, allerdings am Arsch der Welt.

    • Avatar
      Fischer's Friitz am

      @ANDOR
      "…Das wird man doch noch sagen dürfen." ?

      Aber nur noch in dem hiesigen "Schmuddelmagazin"! (Ironi Ende 🙂 )

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