„Alien: Covenant“: Wenn Androiden vom perfekten Organismus träumen

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Ein ferner Planet, ein finsterer Garten Eden: bewaldete Berge umranden einen toten See, am Ufer ragen riesiger Weizen und zerbrochene Baumstämme. Am Himmel braut sich eine Gewitterfront zusammen. Kein Laut von Tieren ist zu hören. Aber selbst in dieser trostlosen Welt lauert ein Schöpfer. Kein Gott, kein Mensch, sondern ein Android. Und was er erschafft, ist ein Monster, das ausschließlich seinen Mord- und Zerstörungstrieb lebt.

Gestern startete „Alien: Covenant“ in den bundesdeutschen Kinos. Die Reihe begann 1979, es folgten drei Sequels (Fortsetzungen). 2012 brachte Regisseur Ridley Scott mit „Prometheus“ ein Prequel (Vorgeschichte) heraus. „Alien: Covenant“ setzt zehn Jahre nach „Prometheus“ ein. Darin klären sich Vorgeschichte und Herkunft des Monsters weitgehend. Nur noch wenige Fragen bleiben offen. Die will Regisseur Scott bald in einem weiteren, einem letzten Prequel auflösen. Mit diesem Missing Link dürfte die Geschichte der Alien-Evolution dann ihr Ende finden.

Aber eins stellt „Alien: Covenant“ sofort klar: Dass diese Reihe den definitiven Kommentar zur Weltlage bietet. Vielleicht nicht zur Tagespolitik, wohl aber zur Wissenschaftsdebatte über die Zukunft von Menschheit und Erde. Stephen Hawking und zahlreiche Mitstreiter glauben, dass der Homo sapiens die Erde ruiniert habe, sie bald verlassen und andere Planeten kolonialisieren müsse (COMPACT-Online berichtete). Genau damit startet „Alien: Covenant“: Das Kolonialisierungsschiff USCSS Covenant rast durch den endlosen Weltraum. Im Gepäck: Föten, die erste Generation für den neuen Heimatplaneten.

Weil aber der Mensch nichts von seiner Herkunft weiß, muss er selber Gott spielen, wird er selbst zum Schöpfer, bringt er den Androiden hervor. Genau das planen Forscher wie Ray Kurzweil derzeit im Silicon Valley. Und genau davor warnt der Historiker Yuval Noah Harari seinen aktuellen Bestseller „Homo Deus“ (2017) – den Cyborg, den Androiden tatsächlich hervorzubringen. Sobald sie die menschliche Intelligenz überträfen, würden sie den Homo sapiens versklaven oder gar ausrotten – also exakt das, was der Mensch mit Tieren anstellt.

So auch in „Alien: Covenant“: Ein Android träumt vom perfekten Organismus, 100prozentig auf Überleben gedrillt, durch unersättliche Aggression. Robert Musil schrieb im „Mann ohne Eigenschaften“ vom wahnsinnigen Frauenmörder Moosbrugger und lässt einen Protagonisten folgern: „Wenn die Menschheit als Ganzes träumen könnte, müsste Moosbrugger entstehn.“ Ebenso in „„Alien: Covenant“: Wenn die Androiden als Ganzes träumen, müsste das Alien-Monster entstehen, dessen einziges Ziel lautet: Alle Menschen zu vernichten. – Dazu spielt der Film leitmotivisch den Einzug der Götter nach Walhall, aus Richard Wagners Oper „Rheingold“. Nie klang Triumph hohler.

Wenn Sie „Alien: Covenant“ sehen, sollten Sie dazu unbedingt die Besprechung von Hararis „Homo Deus“ in COMPACT 6/2017 lesen. In dem Artikel heißt es u.a.: „Harari stellt die Frage, wie dieser Homo Deus mit den verbliebenen Menschen umgehen würde. Und er verbreitet nicht gerade Optimismus, wenn er darauf hinweist, wie der Homo sapiens seinerseits seine weniger intelligenten Vorgänger behandelt, also die Tiere. Seit der Aufgabe der Jäger- und Sammlerkulturen, seit seiner Sesshaftwerdung hat der Mensch alle anderen Lebewesen rücksichtslos vernutzt.

Der überzeugte Veganer Harari präsentiert im Detail die Versklavung, Ausbeutung und Tötung der Tiere. Ähnliches, so vermutet er, würden posthumane Intelligenzen auch mit dem Menschen veranstalten. Die Rettung des Homo sapiens Der Autor überrascht immer wieder, wenn er nachweist, wie weit diese Szenarien sich bereits in der Umsetzung befinden. Lässt sich die aufgezeigte Entwicklung überhaupt noch verhindern?

Harari hat lediglich die Hoffnung, dass die Theorien der Forscher doch nicht praxistauglich sind. Im letzten Kapitel stellt er alle Silicon-Valley-Dogmen in Frage und zweifelt, «ob sich Leben wirklich auf Datenströme reduzieren lässt», ob die Algorithmen wirklich Subjektivität erzeugen können. Außerdem könne sich herausstellen, dass «Organismen gar keine Algorithmen sind». Seine einzige Hoffnung besteht also darin, dass die IT-Forschung sich irrt.“ – Ende der Leseprobe. Vollständig finden Sie den Text in COMPACT 6/2017 hier vorbestellen.

Ebenso lesenswert und informativ ist das Dossier über den aktuellen Stand der Cyborg-Produktion in COMPACT 11/2016 – hier bestellen

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16 Kommentare

  1. Andreas Walter am

    Warum hat die Natur/die Evolution/Gott/"der Geist" dann nicht direkt und gleich intelligente (und vor allem auch heisse) Androiden, "Androidinnen" hervorgebracht?

    Weil Androiden lediglich das nächste Feigenblatt sind, für die "dunklen" Seiten der bereits Krönung der Schöpfung, der Mensch. Halb Gott und halb Tier, ein Engel und Teufel zugleich, perfekt abgestimmt in einer wunderbaren Mischung aus feinem Zimt mit frischer Melisse und einem ordentlichen Schuss Himbeerquark.

    "Himbeerquark?" "

    "Ganz recht. Das ist ein Nachtisch, kein Cocktail. Wo denken Sie denn hin, so früh schon am Tag?"

    Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Für alles das aber haben wir bereits "Roboter", vom Vibrator bis zur Motorsäge, vom MP3 Player bis zum autonomen Auto. Autoauto sozusagen, oder Automat Kalashnikova.

    Also Sex and Crime, Arbeit, Mühsal, unangenehm oder – irgendwas mit Nazis. Denn Rock ’n‘ Roll und Spass ist ja OK.

    "Der Automat hat geschossen, nicht ich! Ich habe damit nichts zu tun."

    Musil redet darum ebenso manchmal Blödsinn wie auch ich, manchmal, wie auch von jeher jeder Andere.

    Bioandroid? Killervirus? Riesen Biosexbombe? Erzähl mir mehr, vom perfekten Organismus. Guter Sex ist Kopfsache, ebenso wie Mord, Totschlag, Krieg und Frieden, Grenzsicherung. Zeig‘ mir was du kannst, wie soll es sein, seid einfach nur fruchtbar und mehret euch? Nicht mehr zeitgemäss. Zuviel Plastikmüll.

    Was heisst hier ausserdem Gott spielen. Das tun und sind wir doch eh schon, bei der Partnerwahl dann sogar ganz brutal. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Taubenvergiftender Traubenvernichter.

    Die richtige Mischung macht’s, zwischen Arschloch und Bitch und Zaubermaus und Hase, oder eben Bär.

    Bill Killbär. "Mach‘ es tot!" Roboter ist daher was für Pussys. Echte Menschen töten, was sie bedroht. Knallhart. Normal. Direkt. Ohne Skrupel.

    Zeige mir darum ein Programm, einen Androiden, einen Roboter, der so ein Lied schreiben könnte.

    https://www.youtube.com/watch?v=Mx7ETMwjpWs

    Stehen immerhin bei Univers-al unter Vertrag. Nix Underground. "Ey, normale Härte heute, ey, weisst du?"

    Vielleicht aber ja Quantencomputer, dann mit very fuzzy logic. Elektronische Knallköpfe, wie wir Menschen eben auch – und doch soooo genial und doch irgendwie beseelt, voll cool. Nett.

  2. Manfred aus München am

    noch ein, zwei Gedanken zur Äusserung von Stephen Hawking:
    [Stephen Hawking und zahlreiche Mitstreiter glauben, dass der Homo sapiens die Erde ruiniert habe]
    1. Wer treibt den diese Entwicklung zum Androiden, oder auch nur RFID-gechipten Menschen so vehement voran, etwa wir, die Menschen? wohl kaum … das sind nach wie vor die Eliten, und in ihrem Schlepp die Wissenschaft.
    2. Und diese Wissenschaft, die die Zündung von 800 oberirdischen Nukleartests erst möglich gemacht hat, wodurch die Ozonschicht schwer beschädigt wurde, erzählt uns jetzt diesen Dreck, wir wären Schuld am Untergang dieses Planeten.
    3. Ohne die Industrialisierung, die uns diese Wissenschaft beschert hat, wäre es auch nicht zu dieser haarsträubenden Geburtenexplosion gekommen. 7,47 Milliarden Menschen Anfang 2017
    Und jetzt stellen sie den einfachen Menschen an den Pranger? … die können mal schön selbst den Strick nehmen, dieses Dreckspack, das seit Jahrzehnten Auftragsarbeit für die Eliten erledigt.

    • Manfred aus München am

      Nachtrag:
      Ich will mal von dieser Wissenschaft was sehen, das der Menschheit wirklich zugute kommt, wie saubere, frei Energie die jedem Menschen zugänglich ist, ohne Monopole und Zentralisierung. Seit die Römer die Abwasserkanäle erfunden haben, sehe ich nämlich keinen Fortschritt mehr. Jedenfalls keinen, der nicht zulasten der Natur, oder der Menschen geht. Und das nennt sich Wissenschaft, wir wären ohne sie besser dran; und dann noch die Klappe aufreissen und den schwarzen Peter der Menscheit zuschieben. Ich sage Euch lieber nicht, was ich von diesem ach so genialen Wissenschaftler halte.

  3. Konrad Zuse am

    Toller Beitrag !!!

    Die Menschwerdung des Roboters ist logischerweise schon gemachte Sache.

    Und es gibt anscheinend keinen "Besseren Gott" als ein moralischer Roboter,
    der unsere Omnipotenz-Wünsche erfüllt.

    Genau so stellt man sich den Christlichen, Islamischen oder Pan-galaktischen Gott vor auf dem blauen Planeten.

    Man sendet kurz vor dem Einschlafen im Bettchen ein Stoßgebet zum Himmel und am nächsten morgen steht der Rolls Roys in tief-roter-Himbeer-metallic-Lackierung vor der Türe (selbstverständlich mit hochglanz-polierten Chromteilen).

    Etwa in dem exclusiv-bequemst-Bestellformat – mit der Wunsch-Gott-Kopie "Amazon ALEXA".

    Groß-Konzerne bauen kleine Wunsch-Gottheiten, um den Konsum anzufachen.

    Die Rüstungsindustrie hingegen baut am perfekten Vernichter;

    und von dort aus nimmt der "DÄMON" seinen Lauf.

    Ob uns nun

    – das Terminator-Skynet,
    – das Alien,
    – ein Running Man oder
    – eine fliegende Kampfdrohne des Oblivion Ted

    das Leben schwer machen wird – bleibt offen…

    Ich persönlich denke das die Schaffung

    eines Polit-Roboters der alle vier Jahre vollautomatisch zum Bundeskanzler wiedergewählt wird,

    ohne dass der Wähler darauf auch nur den geringsten Einfluss hat –
    eine irre Sache wäre !!!

    Und wetten – keiner würde widersprechen, dass es sich dabei um wahre Demokratie handeln.

    • Nein, es ist nicht die Menschwerdung des Roboters, sondern die Roboterwerdung des Menschen, und die findet gerade statt. Der "moralische Roboter" ist der Antifant dieser Tage.

  4. Ich bin mir sicher, daß die Androiden kurzen Prozeß mit uns machen würden, weil unsere Versklavung für sie keinen Vorteil hätte, weil
    1. ihre Algorithmen den unseren ja so sehr überlegen sind, daß wir da sowieso nicht mithalten können,
    2. unsere Entwicklung zur Mastreife viel zu lange dauert und zu viel Futter kostet, im Vergleich zu anderen Tieren und
    3. Wildschweine wie Veronika aufgrund ihrer inneren Harmonie und ihrer ungezügelten Heimatverbundenheit die Androiden-Algorithmen leichter zur Subjektivität anleiten würden, als wir das jemals könnten (»Anz Pfaderland, anz dojre, schlüs düch an.«):
    http://gutenberg.spiegel.de/buch/-1565/5

    Weitere Infos:
    http://prometheussociety.org/

    • Manfred aus München am

      @GABI
      Du vergisst die Intuition, meine Liebe … diese Blechköpfe können perfekt rechnen, und logische Abläufe durchspielen, aber sie haben keine Träume, keine Phantasie … wie wollen sie also irgendwas weiterentwickeln. Sie sind nur zur Reproduktion fähig, können das, was bereits da ist möglicherweise noch verbessern, aber das war’s dann. Das Leben auf diesem Planeten ist kein Schachspiel. Für mich ist es schlicht Satanismus, alles auf Nullen und Einsen reduzieren zu wollen, und ich arbeite in der IT. Ohne unsere Ideen gibt es keinen Fortschritt. Dass die Ideen oftmals misbraucht werden, und nicht zum Vorankommen der Menscheit eingesetzt werden, steht auf einem anderen Blatt.

      • Androiden rechnen ja nicht mit Nullen und Einsen. Die ziehen logische und weniger logische Schlüsse entlang der Hyperebenen ihrer Raum-Zeit-Hologramme. Und genau dort würde Veronika ganz erheblich ihre subjektive Intuition stimulieren.

        Da könnte ich noch jede Menge nützliche Beispiele aus dem Netzt zu angeben (Asimov: Roboterträume usw.), aber jetzt darf ich bei COMPACT ja nichts mehr verlinken. Dann eben nicht.

        Menschen können mich mal!
        Hoch lebe Veronika!

  5. Ein perfekter Orgasmus wäre mir lieber als dieses Hollywood-Machwerk.

    • Andreas Walter am

      Hahaha, Bester, mein Lieber.

      Man darf sich in der Tat von den Hollywooden nicht verwirren lassen – und schon gar nicht für Geld. Nicht einmal für Kleingeld, denn das macht auch Mist, in den Händen der falschen Leute.

  6. Nachtrag zu meinem Kommentar:

    Mir fällt noch ein, warum man den "Ausserirdischen" eigentlich so ablehnt, wo der doch nur einen Bruchteil "dummes Zeug" angerichtet hat als z.B. unsere irdische Frau Merkel?

    Nein, ihr braucht mir nicht zu antworten, das Wissen ist mit uns.

  7. Raubautz 4 am

    Ein und die selbe Leier, Häßlichkeit, Grauen,
    Flammenwerfer und letztlich nichts neues.
    Es geht wie immer ums Geld !

    Mit besten Empfehlungen, Raubautz 4

    P.S. Miserable Schauspieler kommen noch dazu !

  8. Die Zukunft, keiner kennt sie und doch ist sie da. Na ja, bis auf manche vielleicht, die sie täglich zu wissen glauben.

    Gerade eben hatte ich auf einen Artikel, um Präsident Trump im Spiegel, einen Leserkommentar geschrieben.
    Ich schrieb, das man eigentlich die "täglichen besonderen journalistischen Werke" über ihn in der deutschen Qualitätspresse, an ihn als gesammelte Werke übersenden müsste!

    So geht das seit Monaten und jeden Tag von – "Idiot über Amtsuntauglich bis zur Einweisung in die Klappse" – und ich frage mich ob er das wohl schon beachtet hat!

    Was ist ein Alien eigentlich? Ist es ein ungeliebtes Wesen, ein nicht bequemes Krabbeltier oder einfach die Weissagung der Zukunft?

    Wir in Deutschland glauben es jedenfalls zu kennen, nach unseren Qualitätsmedien muss das Donald Trump sein. Fern des Landes, doch alltäglich immer da, täglich anders aber immer absolut ungeliebt in unserer Presse.

    Das muss sie sein die demokratische Zukunft.

  9. Egal wie sehr die Erde vom Menschen zerstört wird, bietet sie immer noch die besten Lebensbedingungen als jeder andere bekannte Exo-Planet. Erst wenn eine zweite Erde gefunden ist, wird die Elite versuchen sich dorthin abzusetzen. Der große Rest wird sich eine künstliche Umwelt auf der Erde schaffen müssen. So wie sich das Hawking jedenfalls vorstellt kann es nicht gehen. Das Weltall ist nicht wie in Hollywood, es ist viel gefährlicher als sich das ein SF-Autor vorstellen kann, ein Stephan Hawking müsste das aber eigentlich wissen.

    Es findet sich zwar für alles eine Lösung, aber in den nächsten 500 Jahren werden wir das nicht hinbekommen, wir müssen uns also mit den Gegebenheiten arrangieren. Es ist auch nicht so gut, wenn sich die Menschheit ein neues Opfer sucht.

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