AfD-Politiker zum inneren Zustand seiner Partei

55

Hans-Jörg Müller, AfD-Direktkandidat Traunstein/Berchtesgaden für den Bundestag, Bundesvorsitzender des AfD-Mittelstandsforums, schreibt seine persönliche Meinung zu den internen Querelen der AfD:

Jedes Mal, wenn parteiinterne Schlachten über die Öffentlichkeit ausgetragen werden, fragt mich meine Mutter, was denn mit „meiner Partei“ los sei. Zur Zeit muss sie mich das fast täglich fragen. Für sie als ganz normale Wählerin ist dieses zerstrittene Bild in der Öffentlichkeit Grund genug, die AfD nicht zu wählen. Damit bleibt die Partei bereits an der ersten Hürde namens Erscheinungsbild hängen und schafft es nicht, ihre Inhalte zu transportieren.

Wenn ich diesen Gedanken weiterdenke, wird mir klar, um wieviel höher als in den aktuellen Umfragen das wirkliche Potential der AfD liegt. Dazu müssten unsere Führungskräfte aber lernen, ihre Konflikte intern zu regeln, anstatt der Versuchung zu erliegen, parteiinterne Konkurrenten mit Hilfe der Presse zu erledigen. Wer noch mehr draufhauen möchte, der distanziert sich theatralisch von Mitstreitern, natürlich auch wieder über die Medien. Diese AfD-typische Krankheit namens Distanzeritis nützt nur dem politischen Gegner, vielleicht setzt sich diese Erkenntnis ja doch noch durch. Parteivize Dr. Gauland hat beim Brandenburger Parteitag auf den Punkt gebracht, wie es zu sein hat, wenn es richtig gemacht werden soll: „Seid einig, einig, einig! Wenn die Granaten einschlagen steht man zusammen“.

Die vergangenen Landesparteitage in Brandenburg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen haben wieder gezeigt, dass mehrere Fronten durch die AfD laufen: Ängstliche, die sich nicht trauen, als richtig Erkanntes auszusprechen, gegen Freunde der klaren Kante, die sich der Politischen Korrektheit nicht unterwerfen. Karrieristen mit austauschbaren Inhalten, die auch in der Nach-Merkel-BRD wieder an den Fleischtöpfen sitzen wollen, gegen Überzeugungstäter, die aus einem anderen Grund in die AfD eingetreten sind, nämlich um unserem Land zu dienen, es positiv zu verändern und vor dem Abgrund zu bewahren. Systemlinge, welche die AfD als Juniorpartner der Altparteien klein halten wollen, gegen wiederum die Überzeugungstäter, die erkannt haben, dass das System spätestens seit Donald Trump am Ende ist und gerade eine neue Form der Demokratie entsteht – mit sehr viel Potential für die AfD. Aber nur dann, wenn die Partei der Versuchung widersteht, sich vom untergehenden System vereinnahmen zu lassen.

Wir haben Führungskräfte ohne Führungskompetenz, die den Parteizweck darin sehen, Parteifreunde skrupellos wegzubeißen, und wir haben Führungskräfte mit sozialer Kompetenz, die in der Lage sind, Teams zu bilden und Menschen zu begeistern. Und wir haben in der AfD natürlich auch die im Leben Gescheiterten, die sich über ein Abgeordnetenmandat sanieren wollen.

Die Mitglieder haben es jetzt in der Hand, die notwendigen Bereinigungen in der AfD anzustoßen. Dann wird meine Mutter hoffentlich doch noch AfD wählen.

Über den Autor

Avatar

COMPACT veröffentlicht regelmäßig Beiträge von namenhaften Autoren aus allen wichtigen Positionen des politischen und gesellschaftlichen Diskurses.

 

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln.

Empfehlen Sie diesen Artikel