30 Jahre Mauerfall: Tatsächliche und eingebildete Diskriminierung

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Wer erinnert sich in diesen Tagen nicht, oft mit wehmütigen, häufig auch mit nostalgisch verklärenden Gefühlen an die Wendezeit vor dreißig Jahren? Der Jubel an der Mauer, das Staunen über die plötzliche Grenzöffnung, mit der in dieser Form wohl niemand gerechnet hätte, feiernde Menschen unterm Brandenburger Tor …

Und wer erinnert sich nicht an Trabbi-Witze, den Besserwessi und die Vorurteile gegen vermeintlich rückständige Ossis, den Neid auf das von der reichen Bundesrepublik huldreich an den armen Ostdeutschen verschenkte Begrüßungsgeld, der erinnerte an die Missgunst des Bruders im Jesus-Gleichnis vom „verlorenen Sohn“ (Lukas 15), den der Vater mit offenen Armen empfängt, obwohl er sein Erbe verprasst hat, und den der dem Vater stets treu ergebene Bruder als Konkurrenten beargwöhnt? Als nach ein paar Monaten, spätestens aber im Jahr eins nach der Wiedervereinigung die erste Euphorie verflogen war, waren im Westen auch Stimmen zu hören, die forderten, die Mauer schnellstens wieder hochzuziehen in Anbetracht der vielen Neubürger, die sich angeblich im Westen breit machten.

Heute ist viel von Diskriminierung die Rede im wiedervereinigten Deutschland. Homosexuelle, Zuwanderer, Menschen mit anderer Religion, Menschen mit Behinderung, Frauen: Schon diese Auflistung zeigt, dass es in Deutschland wohl mehr Menschen geben muss, die diskriminiert werden als solche, die von dieser Seuche, dieser Pest des modernen Zeitalters, bisher verschont geblieben sind. Denn als solche, als schlimmstmögliche Geißel der Menschheit, muss jeder die Diskriminierung empfinden angesichts der rhetorischen Bewaffnung und des Panikmodus, die das Thema landauf, landab entfesselt.

Bei jedem Christopher Street Day frage ich mich allerdings, wofür diese Menschen auf die Straße gehen, wo doch in jedem dritten Film aus der Sparte Fiktion aller deutschen Sendeanstalten die Belange dieser Minderheit hervorragend belobbyt werden. Ich fürchte: Mit kaum einem Wort wird hierzulande so viel Missbrauch getrieben wie mit dem Wort „Diskriminierung“. Besonders augenfällig ist die Verwischung dessen, was das deutsche Recht, namentlich das Grundgesetz, als Diskriminierung ächtet, mit dem, was bestimmte Lobby- und Interessengruppen gern als geächtet sähen, weil es ihre Ideologie so will.

Die wörtliche Bedeutung von „Diskriminierung“ steht in keiner Verbindung zu einem Rechtsverstoß. Die deutsche Vokabel leitet sich ab vom lateinischen „discrimen“, das übersetzt nicht mehr und nicht weniger bedeutet als „Unterschied“. Man muss nicht darüber diskutieren, dass es Unsinn wäre, dem Menschen seine kognitive Unterscheidungsfähigkeit zu untersagen, die Fähigkeit also, bei der Betrachtung von unterschiedlichen Dingen – und auch Menschen – das, was diese unterscheidet, festzustellen und zu bewerten. War es nicht auch reizvoll, gerade in den Nachwendejahren, zu beobachten, worin sich der so genannte Wessi und der so genannte Ossi unterschieden, und daraus Rückschlüsse zu ziehen? War es nicht sowohl soziologisch-historisch als auch in banalen Alltagsgesprächen attraktiv, darüber nachzudenken, wie sich vierzig Jahre unterschiedlicher polit-kultureller Prägung auf Menschen, die, von diesen vierzig Jahren abgesehen, sehr viel gemeinsam haben, auswirkten? (Fortsetzung des Artikels unter dem Werbebanner)

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Ossi und Wessi sind selbstverständlich diskriminierende Begriffe. Aber wo ist der Schaden? So berechtigt es war, Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen zu beobachten und zu analysieren, so berechtigt ist es selbstverständlich auch, zwischen Deutschen und Zuwanderern aus weit entfernten Kulturkreisen und mit erheblichem Einfluss auf unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt Unterschiede zu beobachten und zu bewerten. Zu diesen Unterschieden gehören ebenso selbstverständlich auch diejenigen, die besonders und zuallererst ins Auge springen: Haut- und Haarfarbe und alles, was sonst zum äußeren Erscheinungsbild gehört.

So wie es Kriterien für die Unterscheidung von Ossis und Wessis gab, so ist es auch jetzt: Unterschiede werden beobachtet und bewertet. Das ist nicht verwerflich. Und es ist auch nicht rassistisch. Rassismus und Diskriminierung werden erst dann ein Fall für die Rechtsprechung, wenn im Sinne von Artikel 3 des Grundgesetzes Menschen aufgrund sicht- oder bemerkbarer Unterschiede Nachteile erwachsen. Denn – so regelt es das Grundgesetz eindeutig – „niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.“

Diskriminierung wird also erst dann im juristischen Sinne zum Problem, wenn jemand aufgrund seiner Hautfarbe oder seines sächsischen Akzents – und nur aus diesem Grund – aus einem deutschen Tennisverein geworfen wird, gegenüber einem schlechter qualifizierten Kandidaten bei der Bewerbung auf einen Ausbildungsplatz das Nachsehen hat oder in einer öffentlichen Bibliothek kein Buch ausleihen kann. Wenn jedoch dreißig Personen, die am selben Ort aufgewachsen sind, bei dreißig kriminellen Akten erwischt und dafür rechtskräftig verurteilt werden, dann ist es ein Gebot der Logik, eine Verbindung zwischen Herkunft und krimineller Neigung zu vermuten.

Der Nachweis, dass es eine solche Verbindung tatsächlich gibt, bleibt genaueren Nachforschungen vorbehalten. Aber ist er erbracht, dann gilt es im Sinne und zum Wohle der Allgemeinheit zu handeln! Weil es legitim ist, auf der Grundlage empirischer Daten Wahrscheinlichkeitsberechnungen anzustellen und mit bestimmten Personengruppen in Verbindung zu bringen, sind beispielsweise Homo- und so genannte Transsexuelle, die zum Zeitpunkt der Blutentnahme nicht seit etlichen Monaten sexuell enthaltsam leben, von der Blutspende ausgeschlossen. Sie gelten als HIV-Risikogruppe. Auch hier liegt kein Fall von (rechtlich zu beanstandender) Diskriminierung vor, sondern von simpler Logik.

Die Ost-West-Dichotomie, an die wir anlässlich des Mauerfalls in diesen Tagen so oft erinnert werden, kann uns also helfen, in der hochproblematischen Frage der Diskriminierung endlich den rechten Durchblick zu bekommen. Jeder, der sich in der Vergangenheit beispielsweise mit dem Vorwurf des Rassismus konfrontiert gesehen hat, ob als Politiker, PEgIdA-Demonstrant oder Privatperson, kann sich per Selbsttest vergewissern, ob an dem Vorwurf was dran ist: Er muss dazu nur die Frage beantworten, ob er einer anderen Person auf der Grundlage der Kriterien, die Artikel 3 GG nennt, einen Nachteil eingebrockt hat oder nicht. Alles andere fällt, auch wenn die Feinde der bürgerlichen Freiheiten es gern anders hätten, unter Meinungsfreiheit und das Recht auf eigenständig logisches Denken. Wer sich allerdings, als Bürger eines der neuen Bundesländer, schon einmal übervorteilt gefühlt hat, der ist womöglich selbst Opfer von Diskriminierung geworden. Er sollte sich aus diesem Grund sofort mit dem für ihn zuständigen Kreisverband der Grünen oder Linken in Verbindung setzen. Denn für Diskriminierte tun die bekanntlich alles.

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15 Kommentare

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    Die DDR Bürger haben im ersten Moment nur die Nachteile gesehen, die sie selber gegenüber dem "Westen" hatten, bzw. nur das, was sie als Nachteil gesehen hatten. Damit sie so sahen, hat die US-Besatzungsmacht die soziale Marktwirtschaft zugelassen und dafür gesorgt, daß das BRD- Fernsehen auch im Osten empfangen werden kann. PAL und SECAM-Ost wurden von M.v. Ardenne entwickelt und waren praktisch identisch, das US-Secam konnte man auf europäischen Geräten NICHT empfangen!
    Die Vorteile ihres eigenen Systems hatten sie darüber vergessen! Wie Recht auf Arbeit, niedrige Preise bei der Lebensgrundversorgung – Miete, Krankenkasse, Versicherungen, Grundnahrungsmittel. Dinge die nachhaltige Produktion untergruben, wie "Modedesigner" hat man erst garnicht ins Land gelassen, aber das haben die Leute vermißt weil es ihnen das Westfernsehen ständig vor die Nase gehalten hat.
    Nach der Wiedervereinigung konnte der radikale Kapitalismus voll zuschlagen! Kanzler Schröder hat neben Hartz IV auch viele wirtschaftliche Gesetze und Praktiken zugelassen, die die soziale Marktwirtschaft aufhoben oder unmöglich machten, also Kapitalismus der angloamerikanischen Art. Das hat sowohl den Osten als auch den Westen getroffen! Die Leute brauchten nur etwas länger, um das überhaupt zu kapieren.

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      2. Dabei hat es die im Osten etwas härter getroffen, weil die dortige Wirtschaft geradezu ausverkauft wurde und der Manchasterkapitalismus den Sozialismus ablöste. Das war natürlich besonders extrem. Auch die, die in den Westen gingen, durften sich zunächst einmal an die Preise gewöhnen und an den Umstand, daß es keine Einheitsverkaufspreise gab, die in der DDR üblich waren. Den westlichen Waren – und ihren Preisen – hat zunächst geholfen, daß der DDR-Bürger allse, was aus dem Westen kam für BESSER hielt – sogar Eier!
      Wer also böse Absicht darin sehen will. könnte auf die Idee kommen, daß auch die Flutung Europas mit kulturfremden Proleten erst anschließend erfolgen konnte, da die TV-Propaganda nicht mehr funktioniert hätte, wenn da schon massive Probleme mit Zuwanderung im TV zu sehen gewesen wären und Berichte über Mietpreisexplosion.
      Das einzige Problem, das blieb, war die Reisefreiheit. Das bestand aber nur so lange wie die Propaganda den Westen als Schlaraffenland darstellen konnte, in den heutigen Westen wären wohl kaum noch Leute geflohen! Wenn man soziale und substantielle Unsicherheit, Lebensgrundlagenkosten einrechnet und die Löhne sind inzwischen auch lange nicht mehr so hoch wie in den 1980ern.

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    Ich verstehe den Begriff "Wende" nicht. Tatsächlich hat die "DDR" ja lediglich die Besatzer gewechselt: Sie hat ihren Status als SOWJETISCHE BESATZUNGSZONE gegen den Status einer US-AMERIKANISCHEN BESATZUNGSZONE eingewechselt. Außerdem konnten sie jetzt im Gemüseladen Bananen kaufen. Und wenn sie sich den neuen Besatzern andienten, bekamen sie Drogerie-Mark-Reisegutscheine. Genauso wie in der alten "DDR".

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    Martin Landner am

    Eine kurze Zeit lang, von 1989-2001 herrschte tatsächlich so etwas wie Frieden. Dann kam 9/11.

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    brokendriver am

    30 Jahre Mauerfall – und die SED-Linken Mauer-Mörder sitzen immer noch im Deutschen Bundestag. Kein Grund zum Feiern !

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    heidi heidegger am

    Denn für Diskriminierte tut die heidi bekanntlich alles. Was wurde Philippa nicht diskriminiert heuer seit dem Mai schon, sagt der Fellner (dem der Bauch auf den Oberschenkeln liegt), aber nun ist sie zrugg und kämpft wie eine Löwin um ihre Handtaschen und für Tierrechte. Endlich ist wieder was los im Nationalrat:

    [ Fellner! Live: Philippa Strache im Interview ] /watch?v=wLGqObsd-RQ

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      heidi heidegger am

      Nun zum Thema 30 Jahre äh "Jericho": Wir im Westen, also im Stuttgarter Westen (Killesberg), hatten Angst wie Hund um unsere Bauhaus-Bungalows und die Gästezimmer und die Parks äh Vorgärten unn datt. Als erstes entliessen wir fristlos unser Personal mit den Worten *Ihr seid nun frei. Viel Glück." – Ja wir hatten Angst, dass da Saboteure und Provokateure und vom Russen hirngewaschene *Mandschurische Kandidaten* unsere Bananen aufkaufen würden, was ja auch so war: unsere Babys hatten über Nacht keinen Bananenbrei mehr und Gurkensalat, also Salatgurkensalat war auch bald alle. Zum Glück wohnten wir auf dem Hügel (Beverly Hills von Stuttgart quasi) und blieben unbelästigt von wegen *wir sind die Schwestern und Brüder ausm Osten und wollen bei euch wohnen* und verkrochen uns in unsere subvenionierten Atombunker aus Zeiten der Kubakrise. Bis die Weinvorräte zur Neige gingen und wir dann hofften, dass uns Trigema-Grupp nach und nach evakuiert mit die Hubschrauber Richtung schwäbische Alb, hihi.

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        heidi heidegger am

        OT: Genfer Konfession (..geht mir nich ausm KanisterKopp)..das ist der Calvinismus, gell? *muahhahaahhhg*

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        heidi heidegger am

        OT(2): wieso ist die Ardennenoffensive schon wieder zu Ende, häh? Also der Faden, der auf die AO rekurrierte quasi..ja weil ditt Soki schrieb darin von HLO. Kenn ich nicht: ich kenne nur die HKL (Hauptkampflinie). *schnarr&stampf*

        Kamerad Paule?! -> Gabelfrühstück morgen früh 545 in meinem Gefechtsstand Wiesbaden/Türkenviertel-Innenstadt beim Kurhaus..wir müssen reden! und trinken und gabelfrühstücken. 🙂

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        Paul, der Echte am

        Sodele, die Mitteldeitschen sind net dei Schuhah-Abstroifer, Du frächr Bliddz

        Verstaaast Senfseggl

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    Gesslers Hut am

    Dem (politisch korrektem) Autor folgend wäre dann erfolgreiche Verhinderung von Halal, Opferfest und Moscheenbau eine strafbare Diskriminierung von Moslems, genau wie die Tamponsteuer Männer (vs Wilkinson-Steuer?) geschlechtsspezifisch benachteiligt.

    "Rassismus und Diskriminierung werden erst dann ein Fall für die Rechtsprechung, wenn im Sinne von Artikel 3 des Grundgesetzes Menschen aufgrund sicht- oder bemerkbarer Unterschiede Nachteile erwachsen. Denn – so regelt es das Grundgesetz eindeutig – „niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.“

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        brokendriver am

        …das rächt sich irgendwann bitterböse.

        Deutsche sind für Muslima-Merkel eben Menschen zweiter Klasse…

        oder wie die SED-FDJ-Trulla aus Templin in der Uckermark (Brandenburg) gern und oft seelenlos anmerkt:

        Deutsche – …."Menschen, die hier schon länger leben."

        Dabei hat diese Trulla laut Artikel 56 des Grundgesetz
        ihren Amtseid zum Wohle des "deutschen Volkes" geschworen…

        Sie mag heute halt lieber Syrer und schwarze Afrikaner.

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